VERTEIDIGUNG IN KARATE-DÔ

By Martín Fernández Rincón

1. Einführung 

Der Grund für diese Arbeit ist eine theoretisch-praktische Studie über einige der Basisaspekte, die von außerordentlicher Wichtigkeit für die Lehre und Ausübung der Verteidigung im KARATE-DO und dessen Verknüpfung zum Kamae sind, zu erläutern.

Mit dieser Arbeit versuche ich darzulegen, was für mich von außerordentlicher Transzendenz  ist, wie die Wichtigkeit der Techniken an sich und nicht als bloßen Verteidigungsaspekt.

Für mich sollte die theoretische Lehre so aufgebaut sein, daß sie Schritt für Schritt die Geheimnisse des Karate-Do preisgibt. Deshalb ist es notwendig, die richtigen Inhalte auszusuchen, die an dieser Stelle gezeigt werden sollen. Ein anderer wichtiger Aspekt der beachtet werden muß, ist der Zusammenhang zwischen dem Kamae mit der Verteidigung und des Gegenangriffs. Das was zu tun ist: Erstens das Kamae annehmen; zweitens, im Fall eines Angriffs des Gegners, sich aus dem Kamae heraus verteidigen; drittens, nachdem die Verteidigung effektiv ausgeführt worden war, die für die Situation beste Gegenattacke durchführen. Und wenn ich sage die für die Situation beste, denke ich an die sog. HENTE- Gegenangriffe, welche für jede Situation, die richtige Antwort parat haben.

Auch glaube ich anmerken zu müssen, daß einige der in der vorliegenden Arbeit benutzten japanischen Termini, von dem Sensei Taiji Kase ausgearbeitet wurden. In dieser habe ich die Ehre seit 16 Jahren Mitglied, und großer Fan zu sein.

Letztendlich möchte ich die Gelegenheit dieser einfachen Einleitung nutzen, um Sensei Gichin Funakoshi zu gedenken, der die Wichtigkeit der Verteidigung bei dieser noblen Kunst so auf den Punkt brachte: „karaten sente nashi“- Im Karate existiert kein erster Angriff“.

  2. Definitionen aus dem Wörterbuch

  Definitionen aus dem Wörterbuch für verschiedene, häufig gebrauchten Substantive und die dazugehörigen Verben:

• Stillstand: Aktion des Stillstehen. Beim Fechten: Defensivbewegung, Parade.

• Stillstehen: Beim Fechten: Mit dem Degen den Schlag des Gegners parieren. Wird auch in anderen Spielen und Sportarten benutzt.

• Verteidigung: Waffe, Instrument oder andere Sache mit der jemand sich vor einer Gefahr zu verteidigen sucht.

• Verteidigen: Schützen, befreien, hemmen, den Weg versperren

• Blockieren: Die Funktion eines Mechanismus oder Vorganges mit Hilfe eines Hindernisses verhindern.

Synthese der verschiedenen

Definitionen:

Aus den vorgenannten Definitionen wird klar: Eine Defensivaktion ist eine Aktion, deren Ziel es ist die physische Integrität einer angegriffenen Person zu garantieren. Dies kann mit Hilfe deren eigenen Körpers, einem Instrument oder einer anderen Sache mit der Aufgabe einen Angriff oder eine offensive Aktion abzuwehren.

3. Personifizierte Klassifikation der Verteidigungsstellungen

  Weit davon entfernt, alle möglichen Verteidigungsstellungen aufzuzählen, hat dieser Abschnitt den Sinn, mögliche Techniken des UKE-WAZA zu klassifizieren. Deshalb halte ich Referenz an verschiedene Aspekte die uns helfen werden didaktische Anregungen für die Lehre dieses Bereichs des Karate-Do zu geben.

3.1. Geordnet nach der Aktion, dem Effekt oder der Form wie dem angreifenden Mitglied

begegnet wird

Durchdringende Defensive:

Diese gehören zu den meist gebräuchlichsten und manifestieren sich in einem festen und schnellen Schlag oder Stoß gegen den Aggressor, um diesen von einem Angriff abzuhalten und ihn außerhalb der Gefahrenzone des Verteidigers zu schicken. Ein Beispiel hierfür ist Otoshi Uke.

Harte Abwehr:

Diese Art der Abwehr aufzubauen drückt sich in einem schnellen Schlag aus, der die Geschwindigkeit der Bewegung, den Rückprall sowie eine Drehung oder einen Schlag des verteidigenden Armes ausnutzt. Beispielsweise wird Soto Ude Uke auf diese Weise ausgeführt.

Gleitende Abwehr:

Wir können die Techniken so nennen, die die Aktionen des Angreifers leiten und kanalisieren, indem sie den Aggressor weit weg von seinem Objekt schieben. Sie können zusammen mit Tai Sabaki durchgeführt werden. Als Beispiel wird hier Jodan Nagashi Uke genannt.

Einwickelnde Verteidigung:

Ähnlich den vorangegangenen versuchen diese Techniken mit kreisförmigen Bewegungen einschließlich eines sanften Kontaktes und manchmal mit Hilfe des Tai Sabaki ausgeführt, den Angriff des Aggressors zu verhindern. Diese Verteidigung realisiert man normalerweise mit der geöffneten Hand, wie z.B. Tekubi Kake Uke.

Packende Verteidigung:

Wie der Name schon andeutet, packt hierbei der Verteidiger seinen Gegner, um ihn schließlich unter Kontrolle zu bringen, ihn zu verrenken oder wegzuschleudern. Diese Verteidigung führt man normalerweise mit der geöffneten Hand durch, wie z.B. Kakete.

Schneidende Verteidigung:

Bei dieser Verteidigung wird der Aggressor in verschiedenen Zonen geschlagen um bei diesen heftige Schmerzen und einen Verlust an Funktionalität hervorzurufen. Diese Verteidigung ist besonders effektiv, wenn sie gegen das Schienbein eingesetzt wird. Als Beispiele sind hier zu nennen, Gedan Shuto Barai gegen einen Mae Geri.

Verteidigung wie ein Angriff

Jede Verteidigung die auch als Angriff angesehen werden kann. Zum Beispiel Jodan Ake Uke gegen den Hals des Angreifers.

3.2. Geordnet nach dem Glied mit dem die Verteidigung durchgeführt wird.

Verteidigung, mit nur einem Arm oder einer Hand

mit beiden Armen und Händen

mit Hilfe des Unterarms

mit der inneren oder äußeren Handkante der geöffneten Hand

mit dem Handteller oder der Handrückseite

mit Hilfe einer geöffneten oder geschlossenen Hand

ausgeführt mit dem Unterarm

mit der Fußsohle

mit dem Innen- oder Außenschenkel

anderen Gliedern

3.3 Nach der beschreibenden

Bewegung

Aufsteigende Verteidigung

Absteigende Verteidigung

Verteidigung außerhalb der Körperachse

Verteidigung innerhalb der Körperachse

Verteidigung die einen Halbkreis beschreibt

Verschiedene Kombinationen und Varianten dieser

3.4 Nach der verfolgten Intention

Obwohl jede Form der Defensive ad defitionem versucht zu verhindern getroffen zu werden, muß man bei der Vorbereitung der Übungen immer daran denken, welche Defensive ausgesucht werden wird. Denn abhängig von der gewünschten Aktion ist es vorteilhafter die eine oder die andere Technik zu benutzen.

Deshalb werde ich hier einige dieser Möglichkeiten aufführen:

• Blockiere sehr hart den Schlag des Gegners um diesen vor weiteren Angriffen durch den bei ihm verursachten Schmerz abzuhalten. Als Beispiel kann hier die oben angeführte sog. „Durchdringende Abwehr“ angeführt werden.

• Blockiere sanft, indem man die Attacke ins Leere laufen läßt. Als Beispiel wird hier die „Gleitende Verteidigung“ genannt.

• Blockiere und führe gleichzeitig einen Gegenangriff durch.

• Antizipiere die Attacke des Gegners.

• Blockiere mit der Intention den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen.

• Weiche aus, um danach in die offensive zu gehen.

• Andere

  4. Verschiedene Varianten und Formen um eine Verteidigung anzuwenden

Eine der Charakteristiken und Konditionen die ein Karate-Ka miteinander vereinen muß, ist zu wissen, die Verhältnisse zu adoptieren und über die üblichen Techniken herauszugehen. Die Technik ist schließlich nur ein einfaches Instrument, das es uns erlaubt in allen Aspekten voranzuschreiten. Hier diesem Fall werde ich mich aber auf die Technik als solches beschränken. Falls man das folgende Schema, geordnet der nach Reihenfolge: „Praxis- Reflexion- Praxis“, anwendet, werden sie weitere Möglichkeiten in der Stellungstechnik entdecken. Bei der Ausführung der genannten Techniken wird es genügen nur einige Parameter zu variieren um weiteren Aktionsmöglichkeiten Platz zu machen.

Einige Beispiele für solche Variationen sind:

Erweitern, Verkürzen oder Variieren der Wege der Verteidigung mit dem Ziel diese an die Heftigkeit des Angriffs anzupassen. Beispielsweise kann ein Gedan Barai auf verschiedene Weise abhängig vom Wegpunkt in dem sich das angreifende Mitglied befindet, realisiert werden.

Die Kontaktzone des verteidigenden Mitglieds variieren. Als Beispiel kann hier die Ausführung eines Soto Ude Uke mit den zweiten Fingergliedern der geschlossenen Faust.

Den Block auf verwundbare Zonen, wie Gelenke, schwache oder schmerzempfindliche Punkte etc, des Gegners konzentrieren. Z.B. ein Angriff gegen die Daumenwurzel des Gegners.

Den Block wie einen Angriff benutzen. Beispielsweise ein Jodan Ake Uke gegen das Ellbogengelenk.

Abhängig von dem Weg der bei einem Block zurückgelegt werden muß, muß ein anderer Schwachpunkt des Gegners gefunden und geschlagen werden. Und zwar alles unter Beachtung weiterer Angriffe des Gegners. Beispielsweise kann der Weg bei einem Jodan Soto Ude Uke dazu genutzt werden, den Angreifer an den Kopf oder ins Gesicht zu schlagen und darauf den möglichen Gegenangriff abzublocken.

Einen Block gleichzeitig mit einem Angriff realisieren. Wie z.B. Tsuki-Uke.

Angriffstechniken zum Abblocken benutzen. Als Beispiel kann hier ein Yuko Uraken Uchi als Verteidigung gegen einen Jodan Oi Tsuki genannt werden.

  5. Wichtige Aspekte für die Ausübung der Abwehr

  Optimale Ausnutzung der Biomechanik der Defensivaktionen: Adäquate Nutzung der Rotation der Knochen in ihren Gelenken und ihr Gebrauch in einem opportunem Moment.

Richtiges „Timing“, das sich unter anderem im richtigen Gebrauch und Angemessenheit der Distanz zum Gegner, oder Maai, ausdrückt.

Um die Defensive und generell alle Techniken auszuführen ist es von fundamentaler Wichtigkeit, daß die Schultern perfekt in ihre Gelenkhöhlen einquartiert werden. Sonst ist die Abwehrstellung genauso schwach wie nachfolgenden Aktionen.

Auf einem Basisniveau haben die Defensivwege weit zu sein. Aber mit der Praxis und auf höherem Niveau muß man die selbe Effektivität mit immer kürzeren Wegen suchen. Hierzu ist der adäquate Gebrauch des Körpers sehr wichtig. Insbesondere der richtige Gebrauch der Hüfte und eine Haltung die sich im Hara konzentriert, muß hier genannt werden.

Wenn die Verteidigung falsch durchgeführt wird, und sie es nicht schafft den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen, wird dieser schnell und mit aller Kraft antworten können. Aber falls sie es schaffen ihn zu destabilisieren, wird dessen nächster Angriff, falls er überhaupt erfolgt, schwächer sein.

Eine andere sehr wichtige Facette die man beachten muß, die Kraft auszunutzen, die durch den Druck oder den Stoß des Haras gegen den Boden freigesetzt wird. Dies erreicht man indem das gesamte Gewicht von der Hüfte über die Beine bis zum Boden hin, dazu benutzt wird voller Kraft mit den Fersen, Fußsohlen und Metastasen Druck auszuüben.

  6. Die Gegenattacke

Optimaler Gebrauch in Funktion des letzten Schritts des verteidigenden Mitglieds. In diesem Punkt ist die Wichtigkeit des Lernens und Praktizieren der verschiedenen Kamae, sowie die vorausschauende Adoption eines Angriffs, hervorzuheben. Dies nämlich erleichtert oder bereitet den Gebrauch festgelegter Defensivtaktiken vor. Ein anderer Aspekt, den man nicht vergessen darf, ist die Situation, in der sich das Mitglied nach der Abwehrhandlung befindet. Denn wenn wir, im Hinterkopf immer das Kamae behaltend, die Gegenattacke oder Abwehrtechnik auswählen, werden wir einfacher und deshalb mit größerer Effektivität antworten können. Ein berühmtes Beispiel hierzu ist der Gebrauch des klassischen Kamae des Hikite, in der Hüfte. Dieses ist besonders für die optimale Ausführung von direkten Angriffen –Tsuki- geschaffen. Selbst wenn dieses Kamae mit einem ersten Entwicklungsstadium des Karate-Ka korrespondiert. Deshalb, und um andere Stufen zu erreichen, ist es notwendig diese Techniken aus verschiedenen Positionen oder oben genannten Kamae abhängig von den unterschiedlichen Situationen im Kampf oder in den Übungen, heraus ausführen zu können.

Also, das Anliegen dieses Abschnitts ist also klarzumachen, daß, abhängig von der Bewegung der besprochenen Abwehrstellung und insbesondere von der Lage der Arme und der Hüfte, der geeignetste Gegenangriff, en Hente oder in Seitei (Gegenangriff für den ein anderer Arm als der verteidigende Arm benutzt wird) durchführen ist. Und die Verschiebung von einem oder beiden Beinen vor, während oder nach der Abwehrstellung oder Gegenattacke. Außerdem muß man feststellen, daß diese am effektivsten sind, wenn sie direkt, also ohne Vorbereitung, aus der Abwehrstellung heraus ausgeführt werden. Aus diesem Grund erreichen unsere Techniken die selbe Effektivität da sie einen langen , (O-Waza: Technik der langen Strecke; Chu-Waza: Technik der mittleren Strecke; Ko-Waza: Technik der kurzen Strecke).

  7. Zusammenfassung

Letztendlich ist der Sinn in den vorhergegangenen Abschnitten darin zu finden, an das hervorragendste zu erinnern, was meiner Meinung nach das wichtigste dieser Arbeit zusammenfaßt. Diese Arbeit beschreibt die Wichtigkeit der Defensivtaktiken hinsichtlich ihrer pädagogischen, praktischen, ethisch oder philosophischen, schließlich beinhaltet eine gut ausgeführte Defensivtaktik einen guten Teil des Geistes des Karate-Do, Aspekten. In technischer Hinsicht habe ich einige der verschiedenen Verteidigungstechniken erklärt, diese in Gruppen zusammengefaßt sowie Varianten oder Adoptionen derselben vorgeschlagen, sowie Anregungen für ihre technische Ausführung gegeben.

Andere wichtige Aspekte dieser Arbeit sind meiner Meinung nach die Ausführungen über den existierenden Zusammenhang zwischen dem optimalen Gebrauch des Gegenangriffs, in Funktion der Bewegungsrichtung und letzten Stellung des verteidigenden Mitglieds, und die optimale Auswahl der angewandten Abwehrstellung nach der nachfolgenden Aktion, die realisiert werden wollte. Und Letztendlich die enge Beziehung des Kamae mit der ausgeführten Verteidigung bzw. Gegenangriff des selben Armes.